Donnerstag, 16. Juli 2009

Gespielt wird, was auf den Tisch kommt

Vor gar nicht allzu langer Zeit gab es noch Ideen.

Frische Ideen, die mit bemerkenswerter Leichtfertigkeit die Spielebranche umgekrempelt haben und nicht scheu waren, auch in unbekannte Territorien vorzustossen. Doch das war einmal, oder etwa nicht?

Mit einem Reboot hier und Se- und Prequels da versucht einem nicht nur Hollywood, sondern gerade auch die grossen Studios der Spieleindustrie vorzumachen, dass 'Never change a running System' kein Spruch sondern eher eine Art Dogma zu sein hat.
Cgi, DirectX wasweißich und lebensnahe Lippensynchronisation manifestieren hier wohl das goldene Lamm. Die Betonung liegt hier allen Anscheins nach auf 'Lebensnah'. Als wenn man zugeben möchte das die Realität zwar unterbemitteltes Gameplay und Steuerung hat, noch dazu nur eine (!) Kameraperspektive, aber die Grafik sei doch ganz hübsch.

Doch viele Spielejünger sind sich einig, dass die Grafikhascherei aufzuhören hat, da oftmals Charakterentwicklung oder gar die gesamte Story die zweite Geige spielen und getunte Grafik das ist, worauf es ankommt. Entsinnt man sich doch grade an Spiele der 90er, die dank dieser Hatz nach neuzeitiger surrealistischer Effekt(sehn)sucht leider allzu oft unansehnlich wurden. So gern man auch Franchise blühen sieht und sich auf [Spielename] 8, Add-on 5 freut, so kann man kaum leugnen, das manches eher in Necropheli ausartet.* Doch der er schlimmste Fall tritt jedoch ein, wenn Nachfolger einfach nutzlos sind.**

Dank Next-Gen Konsolen wie Xbox und Wii und der offenen Programmierplattform ist schier unermesslicher Schatz in den Schoß der Community gelegt worden, durch den unabhängige Entwickler mit häufig kleinem Budget wieder einen Fuß in den Markt bekommen.

So hat Mitte 2008 ein Spiel auf sich aufmerksam gemacht, das auf den Namen 'Braid' hörte:



Was auf den ersten Blick wie ein eher altmodischer 2D Jump&Run Titel erscheinen mag, der vor 10-15 Jahren keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken hätte können, ist durch Liebe zum Detail und wunderschöner Hintergrundgeschichte zum Geheimtipp avonciert. Die geheime Zutat hierfür: Retro.

Das ästethische Wiederaufbereiten des Formenvokabulars vergangener Spieletitel, z.B. eine vorhandene Story, lässt zum Grossteil uns Veteranen in Erinnerungen schwelgen und gibt uns demnach ein (hoffentlich) gutes Gefühl, sobald wir uns solch neue alte Spiele zu Gemüt führen.
Der sehr viel wichtigere Aspekt ist jedoch die Akzeptanz und Rezeption der jüngeren Generation. Je früher eben jene lernt, das bislang unentdeckte Welten außerhalb des Blockbuster-Spieleuniversums auf Sie warten, desto eher wird eines klar:

Es muss nicht immer lauten: "Gespielt wird, was auf den Tisch kommt".

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* So gern ich auch Herrn Duncan als Kane sehe, bitte hört einfach auf 'Command & Conquer' auszuschlachten...

** Jüngste Beispiele: Starcraft 2, Evil Dead 2

Kommentare:

rollinger hat gesagt…

Jump&Run geht ja gar nicht an mich ran. Da verliere ich nach dem dritten Scheitern die Geduld. Aber das ist ja irgendwie anders? Wirkt fast als würde man mit einem Level Editor spielen. Vielleicht probiere ich das mal.

Henk hat gesagt…

Ja, hmm, Braid. Nett. Aber trotzdem J&R.
Ich habe mich ja schon öfter mal geoutet: Ich mag ja die Grafikorgien! Aber, ach, es muss ja auch nicht unbedingt sein. Siehe TRACKMANIA. Also jetzt das erste und nicht TM Sundown Offshore superduper EX.

jensscholz hat gesagt…

Die Rückkehr der kleinen feinen Independend-Games, die seit kurzem die tankerbreite Nische füllen, die die Majors da die letzten Jahre aufgerissen haben sehe ich auch mit Freude. Allerdings ist da nicht der PC-Gamer Schuld - der ist eher dafür verantwortlich, daß es diese Nische überhaupt git - sondern die Verbreitung der Konsolen in ...sagen wir mal "computerspielfernen" Haushalten. Wiiware, Xbox Live (oder wie das heißt) und die neuen Handy-Generationen die inzwischen ganz ordentlich als tragbare Spielkonsolen funktionieren sind da wohl ausschlaggebend.